Welche Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken könnten mit dem Einsatz von Medizinalcannabis einhergehen? Alles zum aktuellen Stand der Forschung.
Die Wirkung von Cannabis wird von einigen Konsumenten als entspannend und stimmungsaufhellend beschrieben – anderen graut es vor einem möglichen Kontrollverlust und den kognitiven Einschränkungen, die mit der möglichen Veränderung des Bewusstseins einhergehen können. Dass die Berichte so weit auseinandergehen, zeigt: Wie genau Cannabis auf eine bestimmte Person wirkt, kann stark variieren und hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur zum Thema kann Klarheit schaffen.
Für den therapeutischen Effekt sind insbesondere die Inhaltsstoffe THC und CBD von Bedeutung, die ihre Wirkung über das körpereigene Endocannabinoidsystem entfalten. Die Wirksamkeit wurde und wird in einer Vielzahl von Studien untersucht, teilweise mit vielversprechenden ersten Ergebnissen. Die Menge an qualitativ hochwertigen Studien ist aber aktuell noch gering, sodass die Aussagekraft noch eingeschränkt ist.
Zu den Anwendungsbereichen, in denen Cannabis eingesetzt wird, gehören u. a.: chronische Schmerzen, Spastizität bei Multipler Sklerose, Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen, seltene Formen der Epilepsie, Gewichtsverlust und Anorexie bei HIV/AIDS.
Cannabis gilt im Vergleich zu anderen Medikamenten als relativ sicher. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, Husten, Angstzustände, Übelkeit und kognitive Einschränkungen. Allerdings treten diese meist vorübergehend zu Beginn der Therapie auf.
In der Cannabispflanze finden sich mehrere hundert potenziell wirksame Substanzen. Das sind Substanzen, von denen, theoretisch jedenfalls, eine Wirkung auf den menschlichen Körper ausgehen kann.
Die wichtigste Stoffgruppe sind die sogenannten Cannabinoide, von denen THC (Δ-9-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) die prominentesten Vertreter sind. Doch auch andere Verbindungen, Terpene und Flavonoide zum Beispiel, könnten zur Gesamtwirkung beitragen.
Die Hauptwirkung jedoch geht, so die Annahme, von den Cannabinoiden aus – allen voran THC und CBD. Ein Großteil der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Medizinalcannabis beschäftigt sich dementsprechend vor allem mit diesen beiden Stoffen.
THC, das bekannteste unter den Cannabinoiden, ist unter anderem für die typische Rauschwirkung verantwortlich, die oft mit Cannabis assoziiert wird. Aber: auch ein Großteil der medizinischen bzw. therapeutischen Effekte gehen auf sein Konto. So gilt THC unter anderem als:
Der Effekt von THC ist dabei stark von der eingenommenen Dosis abhängig. Ein gewünschter therapeutischer Effekt tritt in vielen Fällen schon ein, bevor die Schwelle zur Psychoaktivität überschritten ist. Kurz: Man muss nicht erst „high“ werden, um von den möglichen medizinischen Effekten von Cannabis zu profitieren.
CBD ist, im Gegensatz zu THC, nicht dazu geeignet, einen Rauschzustand zu erzeugen. Es gibt sogar Berichte, die darauf hindeuten, dass CBD die psychoaktive Wirkung von THC mindern könnte. Darüber hinaus konnten in Studien bisher folgende Effekte von CBD beobachtet werden:
Auch jenseits der Cannabinoide gibt es zahlreiche in der Pflanze enthaltene Substanzen, die entweder selbst einen Effekt entfalten oder aber den Gesamteffekt modulieren, also beeinflussen können. Dazu zählen zum Beispiel Terpene und Flavonoide. Deren Gehalt und Zusammensetzung kann sich von Sorte zu Sorte (bzw. von Kultivar zu Kultivar) erheblich unterscheiden – und bieten damit viel Spielraum für eine individuelle Therapiegestaltung.
Damit Patient:in und Ärztin/Arzt, vor allem bei wenig Erfahrung im Umgang mit Medizinalcannabis, einen ersten Anhaltspunkt bei der Wahl der Sorte haben, ist nach wie vor die Unterteilung in Sativa-, Indica- und Hybridsorten gängig.
An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass der Forschungsstand zum Thema Cannabis, auch aufgrund der jahrzehntelangen Prohibition, an vielen Stellen noch immer Lücken aufweist. Im Sinne einer evidenzbasierten Medizin lassen sich viele der in Studien gemachten Beobachtungen noch nicht verallgemeinern. Das Fehlen endgültiger Beweise ist kein Beweis dafür, dass es einen entsprechenden Effekt nicht gibt.
Zwar gibt es eine rasant wachsende Zahl an Forschungsarbeiten zum Thema Medizinalcannabis; diese sind aber oft von nicht ausreichender Qualität, um „gesicherte“ Erkenntnisse zur Wirksamkeit zu liefern. Schließlich gilt aber auch hier: „the absence of evidence is not the evidence of absence“ – das Fehlen von endgültigen Beweisen ist kein Beweis dafür, dass es einen entsprechenden Effekt nicht gibt. Die bisher vorliegenden Hinweise sind schließlich nicht unbemerkt geblieben: Medizinalcannabis ist seit 2017 in Deutschland verordnungs- und erstattungsfähig. Das heißt, dass jede:r, die oder der unter entsprechend schwerwiegenden Erkrankungen und/oder Symptomen leidet und gewisse Voraussetzungen erfüllt, Cannabis auf Rezept bekommen kann und in einer Apotheke sein Cannabis Rezept einlösen kann.
Außerdem kann sie oder er einen Antrag auf Kostenübernahme für Cannabis bei der Krankenkasse einreichen, der nur in begründeten Ausnahmefällen abgelehnt werden darf. Es gibt außerdem die Möglichkeit, sich Cannabis auf Privatrezept verordnen zu lassen – die Kosten trägt die oder der Patient:in dann selbst. Um etwa bei Polizeikontrollen Missverständnisse womöglich gar nicht erst entstehen zu lassen, empfiehlt es sich für alle Cannabispatient:innen, eine Kopie des aktuellen Cannabisrezeptes zusammen mit einem gültigen Cannabisausweis bei sich zu haben.
Eine Frage drängt sich geradezu auf: Wie kann es sein, dass eine einzige Pflanze ein so großes Spektrum möglicher Effekte auf den menschlichen Körper haben kann?
Möglich macht das ein körpereigenes System, mit dem auch einige der in Cannabis enthaltenen Stoffe interagieren können: das Endocannabinoidsystem. Eine Aufgabe dieses Systems ist die Feinjustierung einer Vielzahl anderer Systeme und Prozesse und seine Bestandteile finden sich dementsprechend überall in unserem Körper, so zum Beispiel:
Ein gesunder Körper ist normalerweise in der Lage, Cannabinoide in ausreichender Menge selbst zu produzieren; man spricht dann von sogenannten „Endocannabinoiden“.
Ist das aus irgendeinem Grund nicht mehr der Fall, kann die Funktion des Endocannabinoidsystems gestört sein; es kann seine Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang erfüllen und der Körper kann aus dem Gleichgewicht geraten. Dann kann es Sinn ergeben, Cannabinoide von außen zuzuführen – zum Beispiel in Form der sogenannten Phytocannabinoide, also den Cannabinoiden, die aus der Cannabispflanze gewonnen werden.
Diese können, wie die Endocannabinoide auch, an speziellen Rezeptoren andocken und diese aktivieren. Die bekanntesten dieser Rezeptoren sind die sogenannten Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2.
Die Wirkung der Cannabinoide, unabhängig von deren Herkunft, ist zumeist inhibitiv, also drosselnd. Beispielhaft lässt sich das Prinzip an der Weiterleitung eines Schmerzreizes darstellen:
Schmerz, so unangenehm er auch sein mag, ist in der Regel eine wichtige Information für uns, denn er signalisiert drohenden oder bereits erfolgten Gewebeschaden. Es kann allerdings passieren, dass ein solcher Reiz anhält, obwohl die Gefahr längst vorüber ist – das Signal wird dann auf Dauer zu einer Belastung. Eine Drosselung dieses Reizes wäre in einem solchen Fall also durchaus wünschenswert und kann u. a. über das Endocannabinoidsystem erfolgen.
Ein Faktor, der wie kaum ein anderer die Wirkung von Medizinalcannabis beeinflussen kann, ist die sogenannte Darreichungsform, also die Art und Weise, wie wir die Wirkstoffe einnehmen. In den allermeisten Fällen erfolgt die Aufnahme entweder oral (schlucken) oder inhalativ (einatmen). Einer der Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Arten der Aufnahme ist die Dauer bis zum Wirkeintritt und die Wirkdauer, also wie lang die Wirkung anhält:
Wirkstoffe aus oral eingenommenem Cannabis müssen zunächst im Magen-Darm-Trakt resorbiert werden. Von dort gelangen sie zunächst in die Leber, wo sie durch Stoffwechselvorgänge in ihrer chemischen Struktur leicht verändert werden („First-Pass-Effekt“). Dieser Prozess nimmt etwas Zeit in Anspruch und so kann es bis zu 90 Minuten und länger dauern, bis der volle Effekt eintritt – der hält dann allerdings auch bis zu acht Stunden lang an.
Wird Medizinalcannabis, z. B. mittels Vaporizer, inhaliert, gelangen die aktiven Inhaltsstoffe auf direktem Weg in die Lunge. Durch die riesige Oberfläche dieses Organs werden sie dort innerhalb weniger Sekunden bis Minuten in den Blutkreislauf aufgenommen und entfalten umgehend ihre Wirkung. Die Wirkdauer beträgt nach Inhalation ca. 2-4 Stunden.
Die folgende Tabelle gibt eine Überblick über die wesentlichen Eigenschaften der beiden Darreichungsformen.
Inhalative Einnahme | orale Einnahme | |
Wie viel Wirkstoff steht dem Körper zur Verfügung? | 15-35 % | 3-12 % |
Wirkungseintritt | Sekunden bis Minuten | 30-90 Minuten |
Maximale Wirkung bei | 20 Minuten | 2-4 Stunden |
Dauer der Wirkung | 2-3 Stunden | 4-8 Stunden |
Verarbeitung über die Leber (First-Pass-Effekt) | Nein | Ja |
Die Bestandteile des Endocannabinoidsystems finden sich überall im menschlichen Körper – daraus ergibt sich ein breites Spektrum möglicher therapeutischer Anwendungen von Medizinalcannabis. In einer Übersichtsarbeit von Whiting und Kollegen aus dem Jahr 2015 wurden die bis dahin vorliegenden Ergebnisse aus klinischen Studien gesammelt, zusammengeführt und ausgewertet. Hinweise von mäßiger Qualität, so die Forscher, deuteten demnach darauf hin, dass sich der Einsatz von Medizinalcannabis in der Behandlung folgender Erkrankungen/Symptome als vorteilhaft erwiesen hat:
Außerdem gab es Hinweise von geringerer Qualität zu positiven Effekten in der Therapie von:
Wenngleich die Qualität der Studien an vielen Stellen noch zu wünschen übrig lässt, fügten die Forscher noch hinzu: „Die meisten Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide mit einer Verbesserung der Symptome einhergehen, aber dieser Zusammenhang war nicht in allen Studien statistisch signifikant.“
In Deutschland gibt es für den Einsatz von Medizinalcannabis bisher keine festen Indikationen. Per Gesetz darf ein Therapieversuch immer dann erfolgen, wenn eine Erkrankung oder ein Symptom als „schwerwiegend“ eingestuft wird.
Allgemein anerkannte Leistungen, die dem medizinischen Standard entsprechen, sollten außerdem nicht zur Verfügung stehen oder nach Abwägung durch den Arzt oder die Ärztin nicht zur Anwendung kommen; etwa weil mit zu starken Nebenwirkungen zu rechnen ist oder eine Unverträglichkeit besteht. Darüber hinaus muss eine positive Wirkung der Anwendung von Cannabis auf den Krankheitsverlauf erwartbar sein.
Sind diese Voraussetzungen gegeben, stehen Arzt und Patient mittlerweile mehr als 50 verschiedene Cannabis-Sorten bzw. „Kultivare”, zahlreiche Extrakte und weitere Cannabisarzneimittel zur Verfügung.
Wurden die Kosten der Therapie von einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen, war bis März 2022 die (anonyme) Teilnahme an der sogenannten Begleiterhebung verpflichtend. Diese wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchgeführt und sollte eine bessere Datenlage im Hinblick auf den Einsatz von Medizinalcannabis und dessen Wirksamkeit schaffen. Laut der abschließenden Auswertung wurde Cannabis von 2017 bis 2022 zur Behandlung der folgenden Erkrankungen/Beschwerden eingesetzt:
Erkrankung oder Symptomatik | Fälle (insgesamt n=16.809) | Prozentualer Anteil |
Schmerzen | 12.842 | 76,4 % |
Neubildung (Tumor) | 2.434 | 14,5 % |
Spastik | 1.607 | 9,6 % |
Anorexie/Wasting | 852 | 5,1 % |
Multiple Sklerose | 989 | 5,9 % |
Übelkeit/Erbrechen | 367 | 2,2 % |
Depression | 471 | 2,8 % |
Migräne | 332 | 2,0 % |
ADHS | 163 | 1,0 % |
Appetitmangel/ Inappetenz | 198 | 1,2 % |
Darmkrankheit, entzündlich | 182 | 1,1 % |
Epilepsie | 157 | 0,9 % |
Tic-Störung, inkl. Tourette-Syndrom | 105 | 0,6 % |
Restless-Legs-Syndrom | 165 | 0,9 % |
Schlafstörung/Insomnie | 150 | 0,9 % |
Cluster-Kopfschmerz | 99 | 0,6 % |
Hinweis zur Tabelle: Bei 5.305 (31,6 %) der insgesamt 16.809 Fälle sei die Behandlung mit Cannabis vor Ablauf eines Jahres beendet worden. Bei 989 (5,9 %) habe eine MS-Grunderkrankung vorgelegen. Bei 2.434 (ca. 14,5 %) habe eine Tumorerkrankung bestanden.
Quelle: BfArM 2022
Verordnet wurde es dabei vor allem durch Ärztinnen und Ärzte aus den Fachbereichen Anästhesiologie, Allgemeinmedizin und Neurologie. In 60,3 Prozent der Fälle waren die verordnenden Ärztinnen und Ärzte in der speziellen Schmerztherapie weitergebildet, zu 37,8 Prozent handelte es sich bei den verschreibenden Ärzt:innen um Palliativmediziner:innen.
Wie genau ein cannabinoidbasiertes Arzneimittel wirkt, kann sich von Person zu Person stark unterscheiden. Allgemein gelten Cannabinoide als vergleichsweise sicher und nebenwirkungsarm. Lebensbedrohliche Komplikationen, Todesfälle, Störungen lebenswichtiger Körperfunktionen oder Schädigungen innerer Organe, die auf die Einnahme von Cannabis zurückzuführen sind, sind bisher nicht bekannt.
Die meisten bekannten Nebenwirkungen von Cannabis sind auf THC zurückzuführen, werden als mild eingestuft und sind „transient“, also vorübergehend. Sie treten insbesondere zu Beginn der Therapie auf. Im Idealfall wird die Dosis bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis so niedrig angesetzt, dass Patient:innen von der Wirkung profitieren, aber nicht oder nur kaum von Nebenwirkungen betroffen sind.
Von 2017 bis 2022 hielt das BfArM in seiner Begleiterhebung zu verordneten Cannabis-Therapien knapp 16.800 vollständige Datensätze fest und wertete abschließend unter anderem die beobachteten Cannabis Nebenwirkungen aus.
Folgende Cannabis Nebenwirkungen wurden insgesamt am häufigsten verzeichnet:
Damit decken sich die Ergebnisse der Auswertung laut BfArM mit den Fachinformationen zu den Cannabis-Arzneimitteln Sativex®, Canemes® und Marinol® (die US-amerikanische Bezeichnung für Dronabinol, das hierzulande nur als sogenanntes Rezepturarzneimittel zugelassen ist).
Zur Schwere der Nebenwirkungen wurden in der Begleiterhebung keine Angaben erfasst. Da Nebenwirkungen nur selten zum Therapieabbruch führten, geht das BfArM jedoch grundsätzlich von weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen aus. Nichtsdestotrotz betont es auch die potenzielle Schwere selten gemeldeter Nebenwirkungen. So wurden etwa psychotische Nebenwirkungen nur in Einzelfällen genannt, können aber durchaus gravierend sein.
In der Begleiterhebung war auffällig, dass Cannabis Nebenwirkungen erheblich öfter bei Frauen auftraten, als dies bei Männern der Fall war.
Mitunter waren Frauen von Nebenwirkungen der Verwendung von medizinischem Cannabis doppelt so häufig betroffen wie Männer:
Neben den klassischen Neben- und Wechselwirkungen kann eine Therapie mit medizinischem Cannabis auch Auswirkungen haben, die nicht zwingend beeinträchtigend sein müssen – es unter Umständen aber sein könnten.Zu berücksichtigen gilt es bei der Therapie mit Medizinalcannabis etwa die sogenannte Vigilanz-Minderung, also eine Minderung des Reaktionsvermögens und der Aufmerksamkeit. Abgewägt werden müssen laut BfArM außerdem die Auswirkungen der Verwendung von medizinischem Cannabis auf die Teilnahme am Straßenverkehr und die Bedienung von Maschinen.
Grundsätzlich traten bei der Verwendung unterschiedlicher Cannabisarzneimittel die gleichen Nebenwirkungen auf. Sofern Unterschiede in der Häufigkeit auftraten, waren diese meist nur geringfügig.
Überdurchschnittlich häufig wurden jedoch Übelkeit und Mundtrockenheit bei der Anwendung des Fertigarzneimittels Sativex® beobachtet. Bei Sativex® handelt es sich um ein Spray, das in erster Linie bei chronischen Schmerzen, Spastiken und Multipler Sklerose verschrieben wird. Die Mundtrockenheit lässt sich mutmaßlich dadurch erklären, dass das Cannabisarzneimittel in der Mundhöhle angewandt wird.
Im Vergleich zu anderen Cannabisarzneimitteln wurden bei der Therapie mit Cannabisblüten weniger Nebenwirkungen beobachtet. Einschränkend gibt das BfArM jedoch zu bedenken, dass bei dieser Form der Cannabistherapie ein deutlich niedrigeres Durchschnittsalter vorlag (45,5 versus 57 Jahre im Gesamtdurchschnitt) und Patient:innen unter Umständen bereits Erfahrung im Umgang mit Medizinalcannabis mitbrachten – etwa indem sie vor 2017 über eine Ausnahmeerlaubnis zur Behandlung mit Cannabis verfügten.
Zur Zeit liegen keine Hinweise auf signifikante Wechselwirkungen von Cannabis mit anderen Medikamenten vor – theoretisch sind diese dennoch möglich. Eine bekannte Ausnahme ist die Einnahme sehr hoher Dosen CBD bei gleichzeitiger Medikation mit Clobazam (ein Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine). Hier kann aufgrund der Wechselwirkung eine Reduzierung der Dosis angezeigt sein.
Generell gilt: Cannabinoide werden in der Leber abgebaut. Dabei kommen Enzyme zum Einsatz, deren Aktivität unter Umständen von anderen Medikamenten beeinflusst werden kann. Die Einnahme von Medizinalcannabis sollte daher immer und in jedem Falle auch vor dem Hintergrund anderer, gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel (Begleitmedikation) in enger Absprache mit der Ärztin / dem Arzt erfolgen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Cannabis und Antispastika, Medikamenten, von denen eine hypnotische und/oder betäubende Wirkung ausgeht, sowie Stoffen, von denen eine psychotrope Wirkung ausgeht (z. B. Alkohol oder Benzodiazepine) ist generell Vorsicht geboten.
Wie bereits erwähnt, kann die Wirkung von Cannabinoiden von Person zu Person stark unterschiedlich ausfallen – die o. g. Angaben können also keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die individuelle und enge Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt bleibt daher unerlässlich.
Patient:innen mit folgenden Befunden sollten keine Cannabispräparate verwenden:
Eine vorsichtige, individuelle Bewertung durch die Ärztin oder den Arzt sollte erfolgen bei:
Besonders bei älteren Patient:innen können stärkere Nebenwirkungen im Bereich des Nervensystems oder des Herz-Kreislauf-Systems auftreten; das kann z. B. zu einer erhöhten Sturzgefahr führen.
Ein relevanter Punkt in der Debatte um den Einsatz von Medizinalcannabis ist dessen Suchtpotenzial. Auch in der Debatte um eine mögliche Cannabis-Legalisierung wird zur Zeit wieder viel darüber diskutiert. Und wenngleich die Gefahr, eine Cannabis Abhängigkeit zu entwickeln, bei regelrechter, ärztlich begleiteter Einnahme vergleichsweise gering ist, lässt sich ein gewisses Restrisiko nicht ausschließen. Mehr zum Suchtpotenzial von Cannabis sowie alle Fakten und Mythen zur Cannabiskonsumstörung können sie in unserem Artikel zu dem Thema nachlesen.
Polizei: 110
Rettungsdienst und Feuerwehr: 112 (Notfall)
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117 (dringende, aber nicht lebensbedrohliche Situation)
Für weitere Informationen über medizinisches Cannabis besuchen Sie gerne unsere Cannabis Apotheke.
Erste vielversprechende Ergebnisse könnte es unter anderem bei chronischen neuropathischen Schmerzen sowie chronischen Schmerzen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen geben.
Ob medizinisches Cannabis abhängig macht, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Grundsätzlich hat Cannabis ein psychisches Suchtpotenzial. Das physische Suchtpotenzial von Cannabis ist eher gering.
Prinzipiell muss jede Apotheke Cannabis Rezepte beliefern und Cannabis Patient:innen beraten können. Vorteile bei Beratung, Auswahl und Komfort könnten spezialisierte Cannabis-Onlineapotheken bieten.
Laut Cannabis Begleiterhebung des BfArM handelt es sich bei Müdigkeit (15 %), Schwindel (10 %) und Schläfrigkeit (6 %) um die häufigsten Cannabis Nebenwirkungen.
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